500 Jahre Reformation

500 Jahre Reformation. Der 31.10.1517 ist auch ein Tag, der auf lange Sicht Hamburg verändert hat. Der protestantische Glauben hat sich in ganz Nordeuropa ausgebreitet und auch in Hamburg tiefe Spuren hinterlassen. Klöster wurde geschlossen und dafür Schu
Martin Luther Statue am Michel

500 Jahre Reformation. Der 31.10.1517 ist auch ein Tag, der auf lange Sicht Hamburg verändert hat. Der protestantische Glauben hat sich in ganz Nordeuropa ausgebreitet und auch in Hamburg tiefe Spuren hinterlassen. Klöster wurde geschlossen und dafür Schulen eröffnet. Luther selber hat Hamburg nie besucht, aber seinen Gefolgsmann Johannes Bugenhagen in die Hansestadt geschickt.

Luther und der Schwan in einer Hamburger Kirche 

95 Thesen irgendwo in Mitteldeutschland - ein paar Jahre später ist Hamburg eine andere Stadt. Martin Luthers Reformation vor 500 Jahren hat alles umgekrempelt. Der 31. Oktober 1517 hat die Welt verändert. Wo man heute in Hamburg Spuren der Reformation findet, damit befasst sich eine Serie des "Abendjournal Spezial" - etwa in der Hauptkirche St. Petri.

 

Das Motiv mit Martin Luther ist auf mehreren Gemälden abgebildet worden: auf dem von Jacob Jacobs von 1603 (hinten zu erkennen), das in Hamburg hängt und auf Johann August Rummys (l.) von 1766.

In der Hauptkirche St. Petri an der Mönckebergstraße gibt es ein altes Ölgemälde. Da steht ein Schwan neben Martin Luther - groß und weiß. Es ist ein ganz besonderes Bild der Reformation. Das Ölgemälde stammt von 1603 und zeigt Martin Luther als stolzen Reformator.

 

Es ist ein programmatisches Bild: Luther hat eine aufgeschlagene Bibel in der Hand. Er zeigt sie uns und man kann einen weltbekannten Bibelvers auf Deutsch lesen - eine Kernstelle des Neuen Testaments. Johannes Kapitel 3 Vers. 16.: "Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat."

 

 

Vor 500 Jahren hat Martin Luther mit seinen 95 Thesen alles verändert, auch Hamburg. Bis heute findet man Spuren dieser Zeit: in der Hauptkirche St. Petri, am Johanneum und in Moorfleet.

    

 

Martin Luther zeigt auf dem Gemälde seine Attacke gegen den Papst.

 

Der Luther auf dem Gemälde zeigt auf die Stelle. Lest es! Ich habe es für euch übersetzt. Oben rechts in der Ecke steht noch eine heftige Attacke gegen den Papst - auf Latein. Damit der es auch wirklich versteht. "Lebend war ich deine Pest, sterbend werde ich dein Tod sein, Papst." Doch dann plötzlich entdeckt man rechts neben Luther ein Tier. Es ist ein Schwan. Das ist kein Irrläufer von der Alster nebenan, sondern dieser Schwan hat eine Botschaft. 100 Jahre vor Luther hat es einen anderen Reformator gegeben.

 

Jan Hus aus Böhmen, erklärt der Hamburger Reformations-Experte Ferdinand Ahuis. "Hus ist auf dem Konzil zu Konstanz verbrannt worden, obwohl ihm freies Geleit zugesichert worden war. Als Hus auf dem Scheiterhaufen stand, soll er gesagt haben: 'Heute bratet ihr eine Gans, aber nach mir wird ein Schwan erstehen.' Warum Gans? Hussa heisst auf Tschechisch 'Gans'. Den Spruch kannte Luther und hat ihn auf sich selbst bezogen."

 

Johannes Bugenhagen - Reformator des Nordens

 

Er war Mitverfasser der ersten niederdeutschen Bibel, ein geschickter Verhandler und enger Freund Martin Luthers, dessen Reformation er in den Norden brachte.

 

Schwan - ein Symbol für den unbezwingbaren Luther.

Luther war ja in einer ähnlichen Situation - auf dem Reichstag zu Worms sollte widderrufen, alles zurücknehmen. Er soll geantwortet haben: Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Er überlebte diesen Showdown. Wurde von Freunden entführt und tauchte auf der Wartburg unter - als Junker Jörg. Aber er hatte überlebt. Die katholische Kirche konnte ihm nichts anhaben. "Daran erinnert auch noch Johannes Bugenhagen in seiner Beerdigungspredigt für Luther 1546. Da hat er die ganze Geschichte so richtig an die Öffentlichkeit gebracht", erzählt Ahuis.

 

Der Schwan ist das Symbol für den unbezwingbaren Luther. Man findet ihn auf vielen Porträts. In Hamburg eben in der Hauptkirche St. Petri aber zum Beispiel auch in der St. Severini-Kirche zu Kirchwerder.

500 Jahre Reformation. Der 31.10.1517 ist auch ein Tag, der auf lange Sicht Hamburg verändert hat. Der protestantische Glauben hat sich in ganz Nordeuropa ausgebreitet und auch in Hamburg tiefe Spuren hinterlassen. Klöster wurde geschlossen und dafür Schu
Der Reformator Martin Luther war nie in Hamburg, aber am Michel hat man ihm ein Denkmal gesetzt.

 

Der Geist der Reformation an einer Hamburger Schule 

 

95 Thesen irgendwo in Mitteldeutschland - ein paar Jahre später ist Hamburgeine andere Stadt. Martin Luthers Reformation vor 500 Jahren hat alles umgekrempelt. Der 31. Oktober 1517 hat die Welt verändert. Wo man heute in Hamburg Spuren der Reformation findet, damit befasst sich eine Serie des "Abendjournal Spezial" - etwa mit der Johanneum-Schule im Stadtteil Winterhude.

 

Das Johanneum in Hamburg-Winterhude wurde 1529 von Johannes Bugenhagen gegründet.

Was haben Heinrich Hertz, Kurt Sieveking, Ralph Giordano, Walter Jens und Lotto King Karl gemeinsam? Sie waren alle Schüler des Hamburger Johanneums. Johanneum - der Name verrät es: Die Schule war ursprünglich im Johanniskloster untergebracht. Das stand damals dort, wo sich heute das Rathaus befindet. Die kleine und große Johannisstraße dort erinnern heute noch daran.

 

Gründung einer Lateinschule

Mit der Reformation waren Klöster unerwünscht. Eine Lateinschule wurde gegründet, erklärt die Schulleiterin des Johanneums von heute, Inken Hose: "Das hat sich so ergeben, weil die katholischen Geistlichen aus der Stadt vertrieben wurden, denn Hamburg hatte sich zur lutherischen Lehre bekannt." Da diese Geistlichen weggeschickt wurden, das Schulwesen jedoch fest in katholischer Hand war, kam es zu einer Versorgungslücke.

 

Der Zölibat gehört abgeschafft und Kinder sollten sechs Jahre lang gemeinsam lernen: Zwei Themen, die schon vor 500 Jahren von Johannes Bugenhagen diskutiert wurden.

 

Die Schulpolitik war schon damals ein Hauptstreitpunkt. Schon Jahre vor der Reformation habe es immer wieder heftige Konflikte mit der Kirche gegeben. Hose erzählt: "Die Bürger beklagten immer die Qualität der Lehrer, die Höhe des Schulgeldes. Die Streitereien wurden immer mit einem Kompromiss beigelegt, aber die Qualität verbesserte sich nicht."

 

Die Statue von Johannes Bugenhagen steht vor dem Rotklinkerbau der Johanneum-Schule in Hamburg Winterhude.

Die Bildung war ein Schlüssel zu den Herzen der Hamburger. Johannes Bugenhagen war Bildungs-Profi, sagt Hose: "Bugenhagen war schon mit 19 Schulleiter in Treptow. Er genoss einen so guten Ruf, dass die Schüler scharenweise zu ihm strömten. Als er sich Luther anschloss 1521, hat der bestimmt sofort erkannt, was für einen fähigen Mann er da hat." Dass er die Reformation nach Hamburg brachte, kam den Bürgern der Hansestadt gerade recht.

 

Soziale Gerechtigkeit zieht ins Schulwesen ein

Bugenhagen war humanistischer Reformpädagoge. Der wollte den Kindern das Wissen nicht einprügeln, sondern aus ihnen, wie er sagte "fröhliche und lustige Leute" machen. So gab es eine Staffelung des Schulgeldes, abhängig vom Einkommen der Eltern und freie Plätze für Kinder einkommensschwacher Familien. "Da ist ein Stück größere soziale Gerechtigkeit ins Schulwesen hineingekommen. Überhaupt hat man geschaut: Wer braucht Hilfe? Das ist eine schöne Seite der Reformation."

 

 

Johannes Bugenhagen - Reformator des Nordens

Er war Mitverfasser der ersten niederdeutschen Bibel, ein geschickter Verhandler und enger Freund Martin Luthers, dessen Reformation er in den Norden brachte. 

 

Die Reformation wollte mündige Menschen. Die sollten selbst lesen können, was in der Bibel steht. Am besten im Original - auf Griechisch, Damit sie sich selbst ein Urteil bilden können. Das Johanneum ist 1914 nach Winterhude umgezogen, aber dieser humanistische Ansatz der Reformation steckt noch drin. "Bei uns lernen alle Lateinisch und Griechisch. Im Reformationsprojekt erfahren in der 5. Klasse alle die Geschichte der Schule."

Der Schulgründer Johannes Bugenhagen steht als Denkmal vor dem Johanneum. Inken Hose ist nach fast 500 Jahren die erste Frau an der Spitze der Gelehrtenschule. Musik spielt bis heute auch eine zentrale Rolle am Johanneum. Damals singen die Kinder jeden Tag in den Hauptkirchen der Stadt. Heute musizieren sie in gleich mehreren Orchestern und Bands. Auch am Reformationstag: Am 30. Oktober wird in der St. Petri Kirche eine Kantate aufgeführt, die ein Lehrer eigens komponiert hat.

 

©Fotos: Jens Hartmann / Text: Jens Hartmann + NDR

500 Jahre Reformation. Der 31.10.1517 ist auch ein Tag, der auf lange Sicht Hamburg verändert hat. Der protestantische Glauben hat sich in ganz Nordeuropa ausgebreitet und auch in Hamburg tiefe Spuren hinterlassen. Klöster wurde geschlossen und dafür Schu
"Ich stehe hier, ich kann nicht anders!" Martin Luther Denkmal an der St. Michaelis Kirche in Hamburg