HAGENBECKS TIERPARK - MIT EINER FISCHHANDLUNG AUF ST. PAULI FING ES AN

Hagenbeck's Tierpark in Hamburg

Die Elefanten bei Hagenbeck mit dem Nachwuchs auf Tauschstation
Die Elefanten bei Hagenbeck mit dem Nachwuchs auf Tauschstation

CARL HAGENBECK: DER TIERPARK-GRÜNDER

Carl Hagenbeck gründet 1874 den ersten Tierpark in Hamburg.

Angefangen hat alles 1848 ganz klein auf der Hamburger Reeperbahn. Hier veranstaltet der Fischhändler Gottfried Carl Hagenbeck die erste Tierschau: Sechs Seehunde plantschen in einem Bottich in seiner Fischhandlung. Einer seiner Fischer hatte diese als Beifang aus dem Wasser gezogen und alles, was im Auftrag gefangen wird, gehörte auch dem Auftraggeber. Gegen Geld wurden die Seehunde zur Besichtigung feilgeboten. Die Einnahmen veranlassten ihn, die Seehunde infolge in Berlin ebenfalls zur Schau zu stellen; er verkaufte sie anschließend an einen Schausteller, der die Tiere als "Seejungfrauen" auftreten ließ. Hagenbeck, der eine kleine Menagerie besaß, zu der Ziegen und Hühner, aber auch - von Seeleuten mitgebracht - ein Affe und ein sprechender Papagei gehörten, begann, insbesondere zu Zeiten des Doms, des weihnachtlichen Jahrmarkts, Tiersensationen zur Anschauung zu bringen. So zeigte er zum Beispiel einen rasierten Eber als "nacktes Riesenschwein" oder ein "Lama", das indes ein Reh aus der Lüneburger Heide war.

1852 wurde ihm vom Kapitän eines Walfängers ein ausgewachsener Eisbär angeboten, den er für 350 Taler erwarb. Er stellte das Tier zunächst in seiner Fischhandlung aus. Er pachtete 1856 von Theodor Hünemerder das "Lemlersche Karussell" und das "Hundiussche Naturalienkabinett" auf dem Spielbudenplatz, wo er den Eisbären unter anderem zusammen mit Hyänen, Waschbären, und Pavianen ausstellte und einen Recommandeur für den Bären Reklame laufen ließ. 1857 kaufte er dem österreichischen Forschungsreisenden Josef Franz Natterer (1819-1862) wilde Tiere aus dem Sudan ab, darunter Löwen, Leoparden und Gazellen, die er von Wien nach Hamburg verfrachtete und an Zoos und Wandermenagerien weiterverkaufte. In Annoncen, die zur Schau und zum Verkauf einluden, firmierte das Unternehmen nunmehr als "C. Hagenbecks Handlungs-Menagerie St. Pauli" auf dem Spielbudenplatz.

Am 1. Januar 1866 übergab Hagenbeck das Geschäft an seinen Sohn Carl, der bereits seit 1859 dort mitgearbeitet hatte; Gottfried Claes Carl Hagenbeck starb 1887. Hamburger dürfen sie für Geld anschauen. Der Versuch ist ein voller Erfolg, sodass Gottfried Hagenbeck danach eine bald florierende Tierhandelsfirma aufbaut. Er kauft unter anderem einen Eisbären und eröffnet auf dem Spielbudenplatz auf St. Pauli die erste Wildtierhandlung. Bald werden weitere Tier aus Afrika nach Hamburg gebracht und in einer Menagerie ausgestellt. Sohn Carl Hagenbeck (1844 - 1913) übernimmt 1866 den Laden und gründet am Neuen Pferdemarkt später "Hagenbeck's Thierpark". Besucher kommen in Scharen und bestaunen exotische Tiere hinter Gittern.

Einfach mal abtauchen - Ein Walross im "Eismeer" bei Hagenbeck's
Einfach mal abtauchen - Ein Walross im "Eismeer" bei Hagenbeck's

Doch dabei bleibt es nicht. Hagenbeck gründet 1887 auch einen eigenen Zirkus. Doch erst der zweite (gegründet 1916) ist so erfolgreich, dass einer seiner Söhne, Lorenz Hagenbeck, mit dem "Circus Carl Hagenbeck" in der ganzen Welt auf Tournee geht. Revolutionär an Hagenbecks Zirkus ist die von Carl Hagenbeck entwickelte sogenannte zahme Dressur, die auf angeborenen Reaktionen der Tiere, Geduld und Belohnung aufbaut statt auf Strafe. Ein Relikt dieser Zeit ist die noch erhaltene Dressurhalle auf dem Gelände des Parks.

Umstrittene Völkerschauen

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat Europa, als Folge des Kolonialismus, eine Faszination des Fremden und Exotischen gepackt und in vielen Großstädten Deutschlands werden Zoos gegründet. In ihnen werden nicht nur Tiere zur Schau gestellt: Ganze Volksstämme aus fernen Ländern werden nach Deutschland geholt, manche unter zweifelhaften Umständen. Andere wiederum kommen immer wieder von selbst nach Europa und verdienen ihr Geld als eine Art Schausteller ihrer selbst. Als einer der Ersten organisiert auch Carl Hagenbeck ab 1874 sogenannte Völkerschauen. Samen, Inuit, Massai, Singhalesen und Nubier kann das neugierige Hamburger Publikum zuerst noch auf dem Neuen Pferdemarkt, später im Tierpark in Hamburg-Stellingen besichtigen. Ein Großteil von ihnen kommt vermutlich freiwillig und verdient mit Auftritten in den Zoos Geld, um danach wieder nach Hause zu reisen.

VON DER FISCHHANDLUNG ZUM TIERPARK

Revolutionäre Gehege

1907 setzt Carl Hagenbeck seine Vision in Stellingen um: ein Tierpark mit neuartigen Gehegen ohne Gitter.

Carl Hagenbeck will die Illusion einer Abenteuerreise in die Wildnis für Besucher möglichst perfekt machen. Er träumt von einem Zoo mit Parklandschaften, von Raubtieren in möglichst natürlicher Umgebung und von felsigen Freigehegen ohne Stahlgitter. Der Zoodirektor macht seinen Traum wahr: Er baut im damals noch gar nicht zum Hamburger Stadtgebiet gehörenden Stellingen den ersten modernen Zoo mit sogenannten Panorama-Anlagen. Anstelle von Käfigen gibt es hier Trocken- und Wassergräben. 1907 wird der Tierpark Hagenbeck als erster gitterloser Zoo der Welt eröffnet. Der Zweite Weltkrieg zieht auch am Tierpark nicht spurlos vorüber. Mehrere Hundert Tiere sterben im Bombenhagel und große Teile des Parks werden zerstört. Doch Familie Hagenbeck schafft es mit vielen Helfern, die Anlage wieder aufzubauen.

Spektakuläres Zuhause für die Menschenaffen

Orang-Utans gehören heute zu den Attraktionen bei Hagenbeck.

Auch wenn die Gelder für den einzigen, im laufenden Betrieb privat finanzierten Tierpark Europas knapp geworden und fremde Länder nähergerückt sind, verfolgen Carl Hagenbecks Nachfahren weiter eines seiner wichtigsten Ziele: Zoo soll Exotik, Abenteuer und Erlebniswelt sein. Die Fertigstellung des Orang-Utan-Hauses im Jahr 2004, dessen Bau von der Stadt finanziell unterstützt wird, erfüllt nicht nur diese Vorgaben, sondern erlaubt auch eine recht naturnahe Haltung der Menschenaffen. Mithilfe von Veranstaltungen wie den Dschungel- und den Romantik-Nächten will das Unternehmen auch kinderlose Paare und Singles für einen Besuch bei Hagenbeck begeistern.

Wo sonst kommt man Elefanten so nah wie bei Hagengeck?
Wo sonst kommt man Elefanten so nah wie bei Hagengeck?

Haie, Muränen, Nilkrokodile: Das Tropen-Aquarium

Im Tropenaquarium, das es seit 2007 gibt, leben unter anderem Krokodile.

Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2007 bekommt der Tierpark mit dem rund 7.000 Quadratmeter großen Tropen-Aquarium eine weitere Attraktion. Das Gebäude beherbergt rund 14.300 exotische Tiere, darunter Haie, Muränen, Nilkrokodile, giftige Schlangen, Fledermäuse, Höhlenfische sowie Skorpione.

Attraktion seit 2012: Das Eismeer

Im Sommer 2012 eröffnet mit dem Eismeer der jüngste Neubau bei Hagenbeck. In der 8.000 Quadratmeter großen Anlage haben Eisbären, Pinguine, Kegelrobben und Seebären ein modernes Zuhause. Außerdem sind dort erstmals seit dem Tod des NDR Maskottchens Antje wieder Walrosse zu sehen. Die Anlage erlaubt im Gegensatz zur alten ganz neue Einblicke, da sie begehbar ist. Im Inneren des Eismeer-Panoramas können Besucher die Tiere in gläsernen Becken beim Tauchen beobachten.

Von der Tierhandlung auf St. Pauli zum großen Tierpark...

"Kunsttauchen" bei Hagenbeck im "Eismeer"
"Kunsttauchen" bei Hagenbeck im "Eismeer"