G20 Gipfel in Hamburg (Teil 04): Demo "Welcome to hell" von Polizei blockiert (06.07.2017)

09.07.2017

Vom Vorabend des G20-Gipfels bis zu seinem Ende musste Hamburg drei schwere Tage durchstehen: immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei, heftige Krawalle, Autos gehen in Flammen auf, über mehrere Stunden verliert die Polizei die Kontrolle über einen Stadtteil, das Schanzenviertel.

Die "Welcome to Hell"-Demo endete aus verschiedenen Gründen in Chaos.

Wie konnte es dazu kommen? Wer sind die Täter? Und wer trägt die Verantwortung? Es sind noch viele Fragen offen. 

WELCOME TO HELL - DEMO

Fotos: (c) Jens Hartmann (Hafenkante Hamburg Fotos)

Die Polizei stoppt am Hamburger Fischmarkt die angemeldete Demo "Welcome to hell". Über 10.000 Demonstranten haben nach einigen Reden, Musik auf der Bühne und einem friedlichen Beieinander mit Essen gegen Spende und anderen Aktionen, die genehmigte Route durch St. Pauli und die Schanze starten wollen.
Da sich an der Spitze des Zuges der sogenannte "Schwarze Block" positioniert und teilweise vermummt hatte, wurde der Start der Demo von der Polizei verhindert.

Das massive Aufgebot der Polizei legt den Verdacht nahe, dass die Demo von Beginn an hat verhindert werden sollen. Geschätzt 300 Polizisten haben sich der Demo entgegen gestellt. Mehrere weitere Hundertschaften haben sich zu diesem Zeitpunkt mit Wasserwerfern in der Umgebung positioniert.

Das Aufhalten der Demo an einer Stelle, die links und rechts von einer hohen Wand und Häusern begrenzt wird, war bewusst gewählt und man hat nach einigen Provokationen die Teilnehmer der Demo, besonders die Mitglieder des Schwarzen Blocks, massiv angegriffen, mit Tränengas besprüht und mit diesem Einsatz eine Panik ausgelöst. Viele versuchten über die hohe Mauer zum Fischmarkt zu flüchten. sind aber oft nicht über diese Hürde hinweggekommen. Daraufhin wurden sie weiter willkürlich mit Tränengas und Pfefferspray besprüht. Das es auch aus den Reihen der Demonstranten Flaschenwürfe auf die Beamte gegeben hat, ist nicht auszuschließen.

Das gesamte Aufgebot an Polizei lässt nur den Schluss zu, dass die Demo durch Hamburg hier gezielt verhindert werden sollte.

Die Veranstalter haben daraufhin die Demo beendet.

Viele Demonstranten entzogen sich daraufhin der Einkesselung und sind in kleinen Gruppen durch St. Pauli gezogen und tun es derzeit in der Nacht immer noch. Es hat hier dann an viele Stellen Fälle von Vandalismus gegeben. Die Situation ist derzeit noch unübersichtlich, da noch viele Gruppen durch die Stadtteile St. Pauli, Altona und Eimsbüttel ziehen.

Bei mir in Eimsbüttel kreist derzeit seit einer Stunde eine Polizeihubschrauber. Ein Zeichen dafür, dass sich hierhin auch einige Gruppen zurück gezogen haben.

Eine Aktualisierung, auch mit Infos zur Rolle der Presse in Fall des angeblichen Angriffs auf den Polizeisprecher Zill , gibt es heute im Lauf des Tages!

Text / Fotos: Jens Hartmann ( http://www.hafenkantehamburg.com)

Der Spiegel berichtet:

Polizei stoppt Anti-G20-Demo "Welcome to Hell"
Schwere Ausschreitungen bei einer Kundgebung gegen den G20-Gipfel: Die Polizei trat massiv auf, setzte Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Autonome und Protestierer flüchteten teilweise panisch vor den Beamten, es gab Verletzte, Flaschen und Steine flogen.

Bei der "Welcome to Hell"-Kundgebung gegen den G20-Gipfel ist es am Donnerstagabend zu massiven Ausschreitungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Hunderte Vermummte hatten sich unter die Demonstranten gemischt - was die Polizei nicht duldete.

Sie stoppte den Zug um 19.10 Uhr, eine halbe Stunde später setzten die Beamten Pfefferspray sowie mehrere Wasserwerfer ein. Sanitäter behandelten Verletzte. Über den Platz zogen Rauchschwaden.

Die Polizei sagte, man habe versucht, den schwarzen Block der Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen - dann hätte die Kundgebung fortgesetzt werden können. Dies sei aber nicht gelungen. Polizeisprecher Timo Zill erklärte, man werde Vermummungen nicht dulden. Solange diese nicht abgelegt würden, dürfe der Zug nicht weiterziehen. .

Die Polizei hatte alle friedlichen Demonstranten dazu aufgerufen, sich von den Vermummten räumlich zu distanzieren. Sie sprach von einer aggressiven Stimmung. Später flogen Flaschen, es wurde Feuerwerk gezündet. Die Polizei hatte mit bis zu 8000 gewaltbereiten Demonstranten gerechnet.

G20-Gipfel: Polizei stoppt Demonstration

SPIEGEL-Reporter vor Ort beobachteten, wie massiv die Polizei von Beginn an auftrat. Dem Demonstrationszug stellten sich sehr schnell mehrere Wasserwerfer entgegen, zugleich wurden Zugriffseinheiten der Bereitschaftspolizei zusammengezogen. Zwar legten zahlreiche Autonome ihre Vermummungen nach entsprechenden Aufforderungen der Einsatzkräfte ab. Jedoch kamen nicht alle Maskierten dem nach. Daraufhin rückte die Staatsmacht überaus robust vor. Autonome und Protestierer flüchteten teilweise panisch vor den Beamten, es gab Verletzte, Flaschen flogen, die Polizei setzte Wasserwerfer und Pfefferspray ein.

"Das war ganz bestimmt nicht rechtmäßig", sagte Matthias Wisbar vom anwaltlichen Notdienst über das Eingreifen der Polizei am Fischmarkt. "Nach übereinstimmenden Berichten ging von den Demonstranten keine Gewalt aus."

Um 20.12 Uhr twitterte die Polizei, der Anmelder habe den Aufzug für beendet erklärt. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie sich der Demonstrationszug zerstreute. Einzelne Gruppen begannen damit, auf den Straßen in der Umgebung Barrikaden zu errichten, es flogen Steine, Flaschen, Autos wurden angezündet. Die Polizei zog daraufhin im großen Maßstab Einsatzkräfte zusammen.

Am Hamburger Fischmarkt hatte es am Nachmittag zunächst Musik und Redebeiträge gegeben. Die Demonstration sollte vom Fischmarkt über die Reeperbahn bis etwa 300 Meter an die Messehallen heran gehen. Keine andere Demonstration darf dem dortigen G20-Tagungsort näher kommen.

Anders als für andere Veranstaltungen hatte die Polizei für "Welcome to Hell" ("Willkommen in der Hölle") keine Auflagen erlassen. Anmelder Andreas Blechschmidt vom linksautonomen Kulturzentrum Rote Flora warf Innenbehörde und Verfassungsschutz dennoch vor, "eine massive Kampagne" gegen Demonstranten zu führen.

Auch Polizei-Pressesprecher Zill wurde angegriffen. Er flüchtete sich laut Polizei in einen Rettungswagen. Die Täter versuchten demnach, die Tür des Rettungswagens aufzureißen und auf diesen eingeschlagen. Der Wagen fuhr schließlich mit Blaulicht davon, der Beamte blieb unverletzt.

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