Die Speicherstadt in Hamburg - UNSECO Weltkulturerbe

03.07.2017

Brücken, Kanäle und imposante Backsteingebäude, die sich im Wasser spiegeln: Zwischen Deichtorhallen und Baumwall liegt im nordöstlichen Teil des Hamburger Hafens ein architektonisch und historisch besonders interessantes Viertel - die Speicherstadt. Der weltgrößte zusammenhängende Lagerhauskomplex entstand Ende des 19. Jahrhunderts und wird geprägt von wilhelminischer Backsteingotik der Gründerzeit mit schönen Giebeln, Erkern und Türmen.

Hamburgs Speicherstadt entdecken

  • Mehrere Reihen mit imposanten Lagerhäusern in wilhelminischer Backsteingotik prägen die Speicherstadt im nördlichen Teil des Hamburger Hafens.

  • Die Gebäude sind keine schlichten Zweckbauten, sondern mit schönen Giebeln, Erkern und Türmen verziert.

  • Ein besonders schönes Beispiel ist das Gebäude Bei St. Annen 1. Dort hat die Betreiberin der Speicherstadt, die Hamburger Hafen und Logistik AG, ihren Sitz. Das Gebäude wird auch gern als Rathaus der Speicherstadt bezeichnet.

  • Vorne Straße, hinten Kanal: Das Viertel wurde so konzipiert, dass alle Gebäude sowohl vom Wasser als auch von der Straße zugänglich sind. So konnten die Waren früher direkt in die Speicherböden transportiert werden.

  • Die mehr als 40 Meter hohen Schornsteine des Kesselhauses am Sandtorkai erinnern daran, dass dort einst die Energiezentrale der Speicherstadt war. Heute bietet das Gebäude Platz für Ausstellungen.

  • Bei Hamburg-Touristen gehört die Speicherstadt zum Pflichtprogramm. Besonders schön lässt sie sich bei einer Barkassentour erleben.

  • Früher lagerten in den Speichern Waren wie Kaffee, Tee und Gewürze. Heute werden die meisten anderweitig genutzt - etwa als Ateliers, Büroräume oder Ausstellungsflächen.

  • So sind in den attraktiven Gebäuden etliche Museen zu finden. Das bekannteste und bei Weitem beliebteste ist das Miniatur Wunderland - eine riesige Modelleisenbahn-Anlage.

  • Kulturelles Highlight ist alljährlich die Aufführung des "Hamburger Jedermann" unter freiem Himmel vor der beleuchteten Kulisse der alten Speicher. Das Theaterstück erzählt die Geschichte eines Kaufmanns, der seine Seele an den Teufel verkauft.

  • Besonders stimmungsvoll ist die Speicherstadt am Abend. Dann werden die schönen Backsteingebäude und Brücken besonders beleuchtet.

  • Eröffnet wurde die Speicherstadt am 29.Oktober 1888 durch Kaiser Wilhelm II.

  • Dem Bau ging eine gigantische Abrissaktion voraus: Rund 1.000 Häuser mussten weichen, 20.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen und in andere Stadtviertel umziehen.

  • In nur knapp fünf Jahren entstanden auf dem Areal Lagerhäuser, Straßen und neue Fleete. Die Gebäude ruhen auf Eichenpfählen, die bis zu zwölf Meter tief in den weichen Elbschlick gerammt wurden.

Unterwegs auf dem Wasser

Annäherung übers Wasser: Ein Barkassenfahrt bietet einen guten Blick auf die Speicherstadt.

Um einen ersten Überblick zu bekommen, sollten Besucher die Speicherstadt am besten vom Wasser aus erkunden. Die Barkassen-Törns starten am Vorsetzen und fahren unter anderem durch das enge Kehrwiederfleet. Von dort fällt der Blick auf die alten Bauten. Auf deren Speicherböden lagerten früher hochwertige Güter wie Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze und Tabak. Heute befindet sich dort das größte Orientteppichlager der Welt - es nimmt 20 Prozent der Gesamtfläche der Speicherstadt ein. Außerdem haben sich viele Kreative, Museen und gastronomische Betriebe in den schönen alten Gebäuden eingemietet.

Vom Arbeiter-Wohnviertel zur Freihandelszone

WEITERE INFORMATIONENmit Video

Speicherstadt: Ein Wohnviertel wird Warenlager

Ein bautechnisches Meisterwerk auf Eichenpfählen: Am 29. Oktober 1888 weiht Wilhelm II. die Hamburger Speicherstadt ein. Tausende Wohnungen mussten den Lagerhäusern weichen.mehr

Vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhundert war das Gebiet zwischen Zollkanal und Sandtorhafen ein Wohnviertel für Hafenarbeiter und Handwerker. Sie wurden zwangsumgesiedelt, als dort 1885 der Bau eines neuen Lagerhauskomplexesbegann. Hintergrund für diese Maßnahme: Die Hamburgische Bürgerschaft hatte beschlossen, sich dem Zollgebiet des Deutschen Reiches anschließen und musste als Konsequenz die Zollfreiheit, die bis dahin für das gesamte Stadtgebiet gegolten hatte, aufgeben. Lediglich das Freihafengebiet blieb zollfrei. Deshalb fiel die Entscheidung, dort Lagerhäuser zu errichten. 1888 wurde die Speicherstadt eingeweiht und in den Folgejahren bis 1927 weiter ausgebaut.

Heute gehört die Speicherstadt nicht mehr zum Freihafen und steht unter Denkmalschutz. Seit Juli 2015 zählt sie - zusammen mit dem Kontorhausviertel - zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Eine Vielzahl von Museen

Nicht nur ihre außergewöhnliche Architektur macht die Speicherstadt zu einer Touristenattraktion, sondern auch die Ausstellungen, Restaurants, Cafés und Museen. Das Speicherstadtmuseum etwa informiert umfassend über die Entstehung der Gebäude, ihre Nutzung als Lager für edle Güter und den Handel mit Kaffee und Tee. Im ehemaligen Zollamt Kornhausbrücke ist das Deutsche Zollmuseum untergebracht, es widmet sich der spannenden Arbeit des Zolls vom Altertum bis in die Gegenwart. Dazu zählen Themen wie Artenschutz, Produktpiraterie und Schmuggel.

Das Speicherstadtmuseum zeigt auch, wie in vergangener Zeit Kaffee umgeschlagen wurde.

Im Kaffeemuseum Burg erfahren Besucher alles über die Welt der Kaffeebohne und können unter anderem einen historischen Trommelröster aus dem Jahre 1925 in Betrieb sehen. Wer Gewürze mag, und diese nicht nur riechen, sondern auch in einem Original-Speicher sehen und anfassen möchte, sollte das Gewürz-Museum "Spicy's"besuchen. Etwas Besonderes ist die Ausstellung "Dialog im Dunkeln": Der lichtlose Parcours lässt die Besucher in die Welt von Blinden eintauchen, sie müssen sich im Rahmen einer Führung nur durch Tasten, Fühlen, Hören und Schmecken zurechtfinden.

Gruseln und Staunen

Im "Kulturspeicher" sind das Gruselkabinett "Dungeon" und das Miniatur Wunderland untergebracht.

Die derzeitigen Hauptattraktionen der Speicherstadt, zumindest was die Besucherzahlen angeht, liegen in den Gebäuden Kehrwieder 2 und 4, vor denen sich nicht selten lange Schlangen bilden: das Gruselkabinett "Dungeon" und das benachbarte "Miniatur Wunderland". Während das "Dungeon" dunkle Ereignisse der Hamburger Geschichte in Shows und Geisterbahnfahrten nachstellt, zeigt die größte Modelleisenbahn-Anlage der Welt Städte, Regionen und Länder im Taschenformat. Mehr als eine Million Besucher kommen jährlich hierher, um Züge, selbst fahrende Feuerwehrautos oder die Alpen, Skandinavien oder die Stadt Hamburg en miniature zu bestaunen.

Wer sich für Schifffahrt interessiert, sollte einen Abstecher in die angrenzende Hafencity machen. Dort präsentiert das Internationale Maritime Museum in einem Speicher von 1878 auf zehn Etagen rund 40.000 Schiffsmodelle, 5.000 Gemälde und Tausende weiterer maritimer Gegenstände.

Illuminierte Speicherstadt

Faszinierende Licht- und Schattenspiele: Am Abend wird die Speicherstadt beleuchtet.

Zu den kulturellen Höhepunkten zählt im Sommer das Theaterstück "Der Hamburger Jedermann". Es erzählt die Geschichte eines geldgierigen Geschäftsmanns aus der Speicherstadt, der seine Seele des Profits wegen dem Teufel verkauft. Die Aufführung findet im Freien vor der beleuchteten Speicherfront am Brooksfleet statt, die Teil des beeindruckenden Bühnenbildes ist. Auch sonst lohnt ein Besuch der Speicherstadt am späten Abend, wenn nicht mehr viele Menschen dort unterwegs sind: Viele Brücken und Gebäude sind dann - im Rahmen eines Lichtkonzeptes des Künstlers Michael Batz - beleuchtet und die Atmosphäre ist einzigartig.