Der Hamburger City-Hof

15.07.2017

DER HAMBURGER CITY-HOF

Der City-Hof ist ein in den 1950er-Jahren in Hamburg errichteter Hochhauskomplex des Architekten Rudolf Klophaus. Die vier durch eine Ladenpassage verbundenen und quer zur Straße ausgerichteten Hochhausscheiben gehörten zu den ersten Hochhäusern, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg gebaut wurden. Sie gelten als bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsmoderne und stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Ursprünglich mit einer hellen Keramikfassade ausgestattet, wurden sie in den 1970er-Jahren mit grauen Faserzementplattenverkleidet. Sie dienen derzeit vorwiegend als Verwaltungsgebäude des Bezirksamtes Hamburg-Mitte, das jedoch 2017 aus dem Gebäude ausziehen soll.

Fotos: (c) Jens Hartmann Fotografie / Text: Wikipedia

Der Komplex befindet sich am Klosterwall 2-8 im Stadtteil Hamburg-Altstadt. Das Areal liegt auf dem Geesthang am Rand des Elbe-Urstromtals und ist daher von einer verhältnismäßig starken Steigung geprägt. Der City-Hof liegt sehr zentral: Westlich grenzt das Gebiet an das Kontorhausviertel, nördlich an die Mönckebergstraße, östlich an die Bahnanlagen des Hauptbahnhofes und südlich an die Speicherstadt bzw. HafenCity.Entstehungsgeschichte[Bearbeiten ' Quelltext bearbeiten]Das Gelände des heutigen City-Hofs bildete ursprünglich den südöstlichen Abschnitt der Hamburger Wallanlagen. Nach deren Abriss wurde hier 1837 vom damaligen Baudirektor Carl Ludwig Wimmel ein Neubau für das zuvor in der Innenstadt gelegene Kloster St. Johanniserrichtet. Die heutigen Straßennamen Klosterwall und Johanniswall erinnern daran.


Nach dem Bau des Hauptbahnhofes erwarb die Freie und Hansestadt Hamburg 1911 das nunmehr zentral gelegene Areal und plante hier - in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kontorhausviertel - ab 1924 den Bau eines "Messehauses", der jedoch aufgrund der Weltwirtschaftskrise nie realisiert wurde.[2] Die eingereichten Wettbewerbsentwürfe - unter anderem von Fritz Höger und Rudolf Klophaus - sahen jedoch schon damals Hochhäuser an dieser Stelle vor. In der NS-Zeit begann Klophaus an derselben Stelle mit dem Bau einer monumentalen Verwaltungszentrale für die Hamburger Hochbahn, der jedoch wegen des Zweiten Weltkrieges nicht fertiggestellt wurde.Nach Kriegsende wurde der unvollendete Hochbahn-Bau abgebrochen und 1952 - unter dem neuen Oberbaudirektor Werner Hebebrand - die Planung zur Bebauung des Areals erneut aufgenommen.

Den Auftrag bekam wiederum Klophaus, der bereits mehrere Bauten im benachbarten Kontorhausviertel (Mohlenhof, Reichenhof, Altstädter Hof, Bartholomayhaus) entworfen hatte.Über die Bauzeit des Gebäudekomplexes existieren unterschiedliche Angaben, die sich im Zeitraum Mitte der 1950er-Jahre bis Ende der 1950er-Jahre bewegen. Rudolf Klophaus erlebte die Fertigstellung der City-Hof-Hochhäuser nicht mehr. Er starb unerwartet am 3. Juli 1957. Sein damaliger Bürochef Hans Jochem vollendete das Bauvorhaben, das 1958 fertiggestellt wurde.Architektur[Bearbeiten ' Quelltext bearbeiten]Die Pläne von Rudolf Klophaus greifen teilweise die Entwürfe anderer Teilnehmer des Messehaus-Wettbewerbs auf. Anders als in den Planungen der 1920er Jahre, die alle einen massiven Gebäuderiegel in Blockrandbebauung vorsahen, entschied sich Klophaus offenbar in Abstimmung mit Hebebrand nunmehr jedoch für vier quergestellte Hochhausscheiben, die "an den Schmalseiten auf charakteristisch nach unten verjüngten Stützen aufgeständert (sind), unter denen die Eingänge liegen."[3] Verbunden sind sie im Erdgeschoss durch eine Ladenpassage, die ursprünglich auch von der Steinstraße aus zu erreichen war, im Zuge von Umbaumaßnahmen zur Jahrtausendwende allerdings verschlossen wurde. 


Im Inneren der Gebäude befinden sich außerdem eine Kegelbahn und eine Tiefgarage.Im Ursprungszustand waren die Häuser mit weißen Keramikplatten, sogenannten Leca-Platten, verkleidet und besaßen Schwingfenster aus rötlichem Holz. Die Intention des Architekten war eine Anknüpfung "an die fortschrittliche Architektur der Hamburger zwanziger Jahre"[4] und die Schaffung eines Kontrasts zum Kontorhausviertel.

In den 1970er-Jahren wurden optische Veränderungen am Gebäudekomplex vorgenommen: 1972 wurden die hölzernen Schwingfenster durch weiße Kunststofffenster ersetzt, 1977 wurden über den durch die Witterung beschädigten Keramik-Platten der Fassaden Eternit-Platten angebracht.Kunst am Bau[Bearbeiten ' Quelltext bearbeiten]Steinstraße um 1830 im Block AWinserbaum im Block BSteintor um 1600 im Block CAn den Wänden in den Foyers der Blocks A, B und C befinden sich jeweils Wandmalereien, die 1956/1957 dort aufgebracht wurden und bei allen bisherigen Renovierungen unangetastet blieben. Ob sich im Foyer des Blocks D, das den Haupteingang zum Bezirksamt Hamburg-Mitte bildet und mehrfach stark umgebaut wurde (zuletzt 2000), ursprünglich auch ein Wandbildnis befand, ist ungeklärt. Die Darstellungen historischer Ansichten Hamburgs der Umgebung zu den City-Hof-Hochhäusern sind jeweils signiert mit "Fr[iedrich?]. Reimer" und der entsprechenden Jahreszahl. 


In Block A befindet sich eine Darstellung der Steinstraße um 1830 (1956). In Block B eine undatierte Darstellung des Winserbaums (1956). Der "Winserbaum" ist die historische Bezeichnung für eine Sperre durch einen Baumstamm (vgl. Baumwall) im Klingbergfleet, der mit dem Bau der Ost-West-Straße zugeschüttet wurde. Ab 1385 ist die Sperrung der östlichen Hafenzufahrt durch den Oberbaum belegt, bei dem es sich um den Winserbaum handelt, etwa in Höhe des heutigen Meßbergs. Die Wasserverbindungen zwischen der Alster und dem Oberhafendienten auch nach 1850 noch Bauern aus den Vier- und Marschlanden als Zufahrt zum Markt am Meßberg. In Block C befindet sich eine Darstellung des Steintors um 1600 (1957).Diskussion um den Abriss[Bearbeiten ' Quelltext bearbeiten]Der City-Hof steht seit Mai 2013 unter Denkmalschutz, jedoch wird seine Erhaltenswürdigkeit von verschiedenen Teilen von Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit unterschiedlich beurteilt.

Unter anderen gehört Oberbaudirektor Jörn Walter zu den entschiedenen Unterstützern einer Neuentwicklung des City-Hof-Areals.[5]Akute Relevanz gewann die Diskussion um den Umgang mit der Bestandssubstanz nach der Entscheidung zur Verlegung des Bezirksamts Hamburg-Mitte in die Neustadt. Die Freie und Hansestadt schrieb das City-Hof-Areal zunächst sowohl für Konzepte aus, die eine Umnutzung des Bestandes als auch eine Neubebauung der Fläche vorsahen, wobei letzteres - vor allem im Feuilleton - zu zahlreichen Diskussionen sowie zur Gründung einer Initiative zum Erhalt des City-Hofs führte.Im Rahmen der Ausschreibung legte das Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner(gmp) einen Entwurf vor, der den Erhalt und die Sanierung und teilweise Umwandlung in Wohnungen vorsah und "im Jury-Entscheid klar auf Platz eins lag".[6] Nach einer nachträglichen Änderung der Ausschreibungsbedingungen wurde der Beitrag von gmp jedoch disqualifiziert und der Zuschlag stattdessen dem Hamburger Bauunternehmen August Prien erteilt, dessen Konzept für die Fläche den Abriss der Bestandsbauten vorsieht. Die Zustimmung zum Verkauf durch den Senat erfolgte am 31. März 2016.[7]Ausschreibung[Bearbeiten ' Quelltext bearbeiten]August Prien hat in Abstimmung mit der Freien und Hansestadt einen internationalen, beschränkten, zweiphasigen, städtebaulich-architektonischen Realisierungswettbewerb zur Neubebauung ausgeschrieben. In der ersten Wettbewerbsphase hatten insgesamt 29 Büros städtebauliche Entwürfe vorgelegt. Eine vollständige Liste der teilnehmenden Büros wurde bislang nicht veröffentlicht, bekannt sind jedoch die internationalen Büros Studio Libeskind und Steven Holl Architects, beide New York City, und Rafael Moneo aus Madrid sowie die Hamburger Büros Störmer Murphy and Partners, Blauraum Architekten und MRLV Architekten.[8][9]

Sieben Büros wurden für die zweite Wettbewerbsphase ausgewählt, um bis Ende März 2017 eine hochbauliche Vertiefung zu erarbeiten, die abschließende Preisgerichtssitzung wurde für den 27. April 2017 angesetzt.[10] Die Entwürfe der zweiten Wettbewerbsphase sollten der Öffentlichkeit am 1. Juni 2017 vorgestellt werden.[11] In den Projektdaten sind als Preisrichter genannt: Bodo Hafke, Prof. Marcel Meili, Prof. Manfred Ortner, Fritz Schumacher, Prof. Jörn Walter, Prof. Gesine Weinmiller. Projektbetreuer ist die D&K drost consult GmbH, Hamburg.[12]Am 2. Juni 2017 gab die Jury unter Vorsitz von Fritz Schumacher die Entscheidung bekannt. Sieger ist die Einreichung des Hamburger Architektürbüros KPW Papay Warncke und Partner. Dieser Entwurf plant einen Abriss der City-Hochhäuser und die Errichtung eines dreiteiligen Gebäuderiegels, in welchem neben einem Hotel mit 200 Zimmern auch Büros und Wohnungen vorgesehen sind. Im Erdgeschoss sollen sich Läden, Galerien, Gastronomie und eine Kita befinden. An der Grundstücksgrenze Klosterwall ist der Bau über 8 Etagen, an der Grundstücksgrenze Johanniswall über 5 Etagen geplant. In die Neugestaltung des Areals ist auch ein Teil des Bürogebäudes des Heinrich Bauer-Verlags einbezogen.[13] [14] Eine Abriss-Genehmigung für die City-Hochhäuser muss die Firma August Prien noch beim Denkmalschutzamt beantragen..